Monday, July 13, 2009

Die Henkerstochter (Broschiert)

Die Überprüfung Henkerstochter (Broschiert)
- Selten habe ich ein so schönes Buch gelesen...
Ganz im Gegensatz zum Maßstab aller historischen Romane "Die Säulen der Erde" geht dieses Buch mit den mittelalterlichen Beschreibungen eher sparsam um. Was in meinen Augen nichts Schlechtes ist, denn nicht jeder mag ellenlange Beschreibungen und Erklärungen lesen. Dafür hat dieses Buch Charme und Leben. Ich konnte mir die Charaktere wunderbar vorstellen und wollte einfach mehr wissen. Die Geschichte des Buches ist meiner Meinung nach von Anfang an spannend (immer vorausgesetzt, man lässt sich auf das jeweilige Buch ein) und man rätselt jedes Mal mit, wer denn hinter dem Ganzen stecken könnte. Da die Geschichte in Deutschland spielt und auch der bayerische Dialekt hin und wieder aufblitzt, fühlt man sich irgendwie "zuhause". Alles in allem ein tolles Buch, spannend und in einem angenehm leicht zu lesenden Schreibstil erzählt. Ich habe mich schon auf die Fortsetzung gefreut, um mehr über Jakob, Magdalena und Simon zu erfahren.
Achja, noch eine Kleinigkeit: Ich finde es wirklich sehr gelungen, dass der Autor anschließend noch ein bisschen über sich und seine Familie preisgibt - das macht in einfach "menschlicher" und sympathischer...


- Man muss nicht immer in den Englischsprachigen Raum oder nach Italien, um gute Literatur oder Krimis zu finden: Dem Drehbuchautor Oliver Pötzsch vom Bayrischen Rundfunk ist es gelungen, eine geniale Geschichte zu erzählen, die den Erzählungen eines Umberto Eco im Nichts nachsteht.

Mitte des 17. Jahrhundert findet man in der bayerischen Stadt Schongau einen sterbenden Jungen, der mit einem entsätzlichen Gesichtsausdruck aus dem Lech gezogen wird. Er kann seinen Rettern allerdings nichts mehr über seinen Zustand verraten und stirbt. Doch eine kaum auffällige kleine Tätowierung an seinem Handgelenk deutet gemäß den Ansichten der Finder bei seinem Todesgrund auf Hexenwerk hin, woraufhin die Dorfbewohner sofort die Hebamme des Ortes mit dem Tod des Jungen in Zusammenhang bringen. Der Dorfhenker Jakob Kuisl soll ihr nach den Vorstellungen des Dorfparlaments unter Folter ein Geständnis entlocken, damit sich alle wieder dem Tagesgeschehen widmen können. Doch Jakob Kuisl ist als erfahrener Henker schnell davon überzeugt, dass die alte Dame unschuldig ist. Mit der Unterstützung seiner Tochter Magdalena und dem jungen Stadtmedicus macht er sich auf die Suche nach dem wahren Täter, der mit dem Tode des Jungen in Wirklichkeit in Verbindung steht.

Es beginnt eine spannende Detektivgeschichte, die dem Leser viele Überraschungen Parat hält. Eine durch und durch gelungene Sory, die gewiss nicht nur auf eine spätere Verfilmung aufwartet, sondern auch jedem als Buch und Lesespaß empfohlen werden kann.


- Man sollte sich vom Titel nicht in die Irre führen lassen, denn damit hat sich der Verlag bestimmt nichts Gutes getan. Der Titel ist so ziemlich das einzig Dumme an diesem gut geschriebenen Buch. Besser wäre z.B. Der Henker von Schongau oder etwas in dieser Richtung gewesen. Aber nein - es musste ja wieder auf den Massengeschmack abgezielt werden. Dabei kommt die Henkerstochter eigentlich nur am Rande vor, ja man hat den Eindruck, dass sie eigentlich auch nur da ist, um dem Titel eine Daseinsberechtigung zu geben.

Die Geschichte um die Henkersfamilie Kuisl aus Schongau spielt nach dem 30-jährigen Krieg, in einer Zeit in der das Mittelalter mit seinen Hexenprozessen eigentlich schon vorbei war, in der aber die Aufklärung den Weg in die Köpfe der Menschen noch nicht wirklich genommen hat. In der bayerischen Stadt wird ein sterbender Junge aus dem Lech gezogen. Eine Tätowierung deutet vermeintlich auf Hexenwerk hin und sofort beschuldigen die Schongauer Bürger die Hebamme des Ortes der Tat - eine Frau, die in den meisten Familien die Kinder zur Welt gebracht und bislang nur Gutes getan hatte. Der Henker Jakob Kuisl soll ihr unter Folter ein Geständnis entlocken, doch er ist überzeugt, dass die alte Frau unschuldig ist.

Der Autor - Oliver Pötzsch - ein Newcomer und selbst Nachfahre der Henkersfamilie - hat gut recherchiert und er schreibt spannend, unterhaltsam und flüssig. Man fiebert mit den wohlmeinenden Hauptfiguren mit, spürt wie gefährlich es für diese Menschen werden kann, sich gegen den dumpfen Aberglauben der Bevölkerung und für die Hebamme einzusetzen. Man möchte den alten Arzt schütteln wegen seiner dummen Ansichten und hofft für seinen Sohn, der so wissbegierig und aufgeschlossen ist. Doch nicht von ungefähr wird immer wieder darauf hingewiesen, dass die letzten großen Hexenprozesse gerade mal sechzig Jahre zurück liegen.

Für mich war es ein toller Lesestoff, so wie ich mag - ein Buch, das man nur ungern aus der Hand legt.


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